Dysreguliertes Nervensystem: Mythos oder echt? (Teil 1) [EP037]

Shownotes

Inhalt der Folge

  • Warum der Begriff dysreguliertes Nervensystem gerade überall auftaucht
  • Gas und Bremse: wie dein autonomes Nervensystem eigentlich arbeiten sollte
  • Fight im Büro: gereizter Ton statt Lichtschwertkampf
  • Warum Perfektionismus eine Form der Flucht sein kann
  • Freeze: Vollgas und Bremse gleichzeitig
  • Fawn: wenn du Räume scannst, bevor du deine eigene Meinung kennst
  • Lässt sich Dysregulation messen oder diagnostizieren?
  • Was ein Zebra nach der Löwenjagd anders macht als wir
  • Die vier Faktoren, die dein System im Dauerstress halten
  • Deine Beobachtungsaufgabe bis Teil 2

Erwähnt in dieser Folge:

  • Folge 027: 3 Wege wie Stress entsteht
  • Folge 028: 3 Wege Stress aufzulösen

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Transkript anzeigen

00:00:00: Überall hörst du gerade, dass dein Nervensystem dysreguliert sei und du müsstest das regulieren.

00:00:07: Ich erkläre dir heute warum das tatsächlich nur die halbe Wahrheit ist weil dein Nervensystem nicht kaputt ist sondern in der Regel genau das macht wofür es gebaut wurde.

00:00:23: Wenn du dich in den letzten Monaten mal durch Instagram oder YouTube gescrawlt hast dann ist dir der Begriff garantiert begegnet also das dysregulate Nerven System Und in der Regel kommt gleich hinterher irgendein Versprechen, in der Form von diese Atemübung löst ein Problem.

00:00:44: Und tatsächlich merke ich das auch an den Coachings – also immer mehr Menschen kommen mittlerweile mit einem ähnlichen Wortlaut zu mir und behaupten ihr Nervensystem sei im Eimer und das müssten wir wieder hinbekommen!

00:00:58: Also an sich finde ich es erst mal richtig gut, dass so viele Menschen inzwischen verstehen das Stress eben nicht nur Kopfsache ist sondern wirklich im Körper stattfindet.

00:01:09: Das war wahrscheinlich vor zehn, fünfzehn Jahren noch komplett anders und jetzt sehe ich aber auch die andere Seite.

00:01:17: Das ist einfach, dass Menschen seit Monaten jeden Morgen ihre Atemübung machen.

00:01:23: Vielleicht sogar abends noch mal kalt duschen aber sich an ihrem Dauerstress trotzdem nichts verändert.

00:01:31: Um die Podcast-Folge nicht zu überfrachten habe ich mich dazu entschlossen zwei Folgen draus zu machen.

00:01:38: Also das heißt, heute in dem ersten Teil dieser Episode schauen wir uns erstmal an wie dieses Nervensystem überhaupt arbeitet.

00:01:46: Also so dieses typische Zusammenspiel von Gas und Bremse Und ich zeige dir welche vier Zustände unter Stress daraus entstehen.

00:01:58: So und damit beantwortet sich dann auch die Titelfrage nämlich ob es so etwas wie ein dysreguliertes Nerven System überhaupt gibt.

00:02:07: So und am Ende der Folge zeige ich dir noch die vier Wege, wie es überhaupt dazu kommt.

00:02:12: Also welche Faktoren spielen hier mit rein?

00:02:15: Dass du vielleicht ein disreguliertes Nervensystem haben könntest.

00:02:20: In den Episoden siebenundzwanzig und achtundzwannzig hatte ich dir schon gezeigt, wie Stress im Gehirn überhaupt entsteht.

00:02:29: Und an das Wissen an diese Ausgangslage knüpfen wir heute an.

00:02:34: Aber keine Angst, wenn du die Episoden nicht mehr parat hast.

00:02:37: Du wirst auch so auf jeden Fall folgen können!

00:02:41: Also fangen wir da mal mit den Basics an.

00:02:43: also ein großer Teil von dem was in deinem Körper passiert läuft ja grundsätzlich erstmal ohne dich ab.

00:02:51: Da musst du in vielem gar nicht mitentscheiden.

00:02:54: Sei es jetzt dein Herzschlag deine Verdauung deinen Atmen oder vielleicht auch sowas wie weit deine Popillen sind und so weiter Super viel in deinem Körper läuft vollautomatisch ab und deshalb nennt man das eben auch das autonome Nervensystem.

00:03:12: Also autonom ganz klar, es arbeitet selbstständig und du musst nichts aktiv tun um hier einzugreifen.

00:03:21: So dieser autonomen Teil der hat im Grunde nochmal zwei Betriebsarten.

00:03:26: Das eine ist eben der Sympathikus.

00:03:29: ja das ist dein Gaspedal Das fährt eben immer dann hoch, wenn Energie rausgeht.

00:03:35: Also das heißt dein Herz schlägt schneller, deine Atmung intensiviert sich, deine Muskeln werden im Grunde geladen also werden besser mit Energie versorgt, dein Blutzucker geht dafür hoch und gleichzeitig geht aber auch sowas wie die Verdauung runter.

00:03:51: Im Grunde ist es alles Leistung und ist ursprünglich mal darauf eingestellt dass wir uns jetzt gegenüber einer Gefahr verteidigen können.

00:04:01: Also im Grunde ist es dein System für aktives Handeln.

00:04:07: So, und die andere Seite ist der Parasympathikus.

00:04:12: Wenn du so willst deine Bremse aber gleichzeitig auch deinen Standgas also da läuft sowas wie deine Erholung, deine Verdauung Regeneration Wundheilungen Schlaf usw.. was tatsächlich auch Zeit braucht und nur dann passiert, wenn jetzt eben gerade keine Gefahr da ist.

00:04:35: Da es echt noch mal wichtig zu unterscheiden... Es ist kein Schalter der einfach nur zwei Stellungen hat.

00:04:41: also das ist nicht so dass du nur entweder im einen oder im anderen bist sondern das ist tatsächlich auch gut mit dem Autofahren zu vergleichen.

00:04:49: Also du hast beide Füße einsatzbereit Und es ist am Ende immer eine Mischung Gas zu geben, zum konzentrieren um aktiv zu sein aber dann eben auch mal wieder zu bremsen um darunter zu kommen.

00:05:06: So und dabei ist es jetzt weder gesund dass du dauerhaft Gas gibst noch das du daurhaft auf der Bremse stehst.

00:05:14: also gesund ist hier eben wirklich diese Flexibilität zwischen den Systeme also dass Du wirklich von einem zum anderen wechseln kannst.

00:05:23: so Genau die Flexibilität ist das, was unter Dauerstress eben verloren geht.

00:05:32: Und unser inneres System ist eben darauf ausgelegt, dass wenn jetzt wirklich Stress dazu kommt, dass dann daraus vier typische Zustände entstehen und diese schauen wir uns noch mal genauer an.

00:05:46: Also in der Traumaforschung spricht man hier von Vier F. also das sind vier englische Begriffe, die jeweils mit F anfangen Also Fight, Flight, Freeze und was man eher seltener hört Form.

00:06:02: Das ist für mich eine der hilfreichsten Einteilungen die ich kenne weil es auch dann einfacher ist Menschen hier wieder zu finden weil man doch sehr gut einsortieren kann in welcher Form der Stressreaktion ist wer gerade drin?

00:06:19: So lass uns hier mal kurz durch diese vier Zustände durchgehen Und schau mal, ob für dich damit klar wird was diese einzelnen Unterscheidungen sind.

00:06:30: Also erstens fight der Kampf also hast du schon ganz oft gehört hier ist klar das läuft über den Sympathikus über unser Gaspedal und es in der Regel mit Gefühlen verbunden wie zum Beispiel Wut oder Zorn oder eben Aggression.

00:06:48: So, jetzt bezogen auf das Büro wo du das vielleicht bei Stress erlebst.

00:06:52: Sieht es jetzt natürlich selten wie ein Kampf aus.

00:06:54: also wahrscheinlich hast du noch nie zwei Arbeitskollegen im Gang gesehen die sich da mit zwei Lichtschwertern hauen sondern das zeigt sich dann eher so wie einfach eine Reizbarkeit einen gereizter Ton im Meeting Vielleicht wird jemand aufbrausend oder es gibt sogar Menschen die andere regelrecht einschüchtern oder dass vielleicht sogar auch mal in Form von Mobbing übergeht.

00:07:18: Der zweite Zustand ist eben Flight, also heißt einfach Flucht.

00:07:23: Ja kann man sich auch gut evolutionär vorstellen dass es irgendwie Sinn gemacht hat das wir ein System haben mit dem wir kämpfen uns verteidigen können aber dass es natürlich auch mal Sinn macht in die Flucht zu gehen was natürlich aber auch Energie braucht.

00:07:37: Also das heißt auch hier sind wir beim Sympathikus Es geht auch wieder um Vollgas Aber eben eher einen Weg von anstatt auf etwas hinzu.

00:07:49: Also es ist eher eine Flucht, ein Verstecken und eben auch ein Vermeiden von der Konfrontation.

00:07:56: So jetzt kommt halt der Punkt denn die wenigsten auf dem Schirm haben.

00:08:00: also Flucht sieht bei uns gar nicht so sehr aus wie weglaufen sondern Flucht bedeutet eben auch dass wir Ängste haben vielleicht sogar regelrecht panisch sind.

00:08:12: andererseits kann es sein dass sich das bei Menschen zeigt durch ständiges Planen.

00:08:16: Also auch ein chronisches Sorgen

00:08:18: machen.

00:08:19: und

00:08:20: ja, also da kann man auch den Perfektionismus wieder einsortieren weil wenn ich alles perfekt mache dann kann mich ja wieder keine angreifen.

00:08:29: Es ist regelrecht eine Flucht nach vorne und damit vermeide ich eben das Unangenehme.

00:08:37: Der dritte Zustand – und das hast du wahrscheinlich auch schon mal irgendwo gehört – ist der Freeze-Zustand.

00:08:43: Also heißt im Grunde einfach nur eine Erstarung.

00:08:47: So hier wird es nochmal spannend, weil das eben auch sehr viele falsch verstehen.

00:08:51: also erstarrung ist jetzt kein gemütliches runterfahren ja erstarrung is regelrecht vollgas und bremsen gleichzeitig.

00:09:01: also der körper ist einerseits maximal geladen aber er bewegt sich halt nicht.

00:09:07: Ja, das kann zum Beispiel so ein Moment sein.

00:09:09: Vielleicht kennst du es aus einer Präsentation?

00:09:11: Du stehst da aber dein Kopf ist leer und du bist innerlich total angespannt Aber gleichzeitig auch erstarrt.

00:09:20: Es kann sich im Alltag auch eher durch einen Abtrennen, durch den Loslösen aus dem Alltagsempfinden äußern Also vielleicht eine Art Tagträumen oder auch sowas wie ein Betäubtssein.

00:09:33: also kann natürlich auf Dauer und dann in einer extremeren Form eben auch eine Depression sein.

00:09:40: So und da jetzt auch nochmal zur Einordnung, dass du dir das auch noch mal merken kannst.

00:09:44: also in dem Modell mit dem die meisten arbeiten wird eben dieser Freeze-Zustand mit dem Parasympathikus zusammengebracht ja?

00:09:53: Also der Bremse!

00:09:55: Und da eben sehr oft mit einem ganz bestimmten Ast des Vargusnervs nämlich dem hinteren Ast so... Passt jetzt aber irgendwie auch schon gar nicht so richtig zu dem, was du in solchen Momenten vielleicht spürst.

00:10:09: Also es ist gar nicht sehr der Vargus, ja?

00:10:11: Du bist nicht entspannt in dem Moment sondern du bist innerlicher auch regelrecht geladen.

00:10:17: So um da nochmal genauer zu unterscheiden was hier die richtige Betrachtungsweise ist oder verschiedene Möglichkeiten der Betrachtsweise das schauen wir uns im zweiten Teil noch mal genauer an.

00:10:30: Der vierte Zustand den wir unter Stress einnehmen können, ist eben das vierte F und das ist Forn.

00:10:38: Also steht für Beschwichtigen oder eben auch einfach das Unterwerfen?

00:10:45: Das wurde nochmal von dem amerikanischen Therapeuten Pete Walker ins Rennen gebracht der sich vor allem mit komplexen Traumerfolgen beschäftigt.

00:10:55: so die Idee dahinter ist sehr einfach.

00:10:57: also wenn Kampf zu gefährlich ist und Flucht nicht geht, dann bleibt dir im Endeffekt nur noch eine Strategie übrig.

00:11:07: Und das es du machst dich nützlich also du machst Dich angenehm Du sorgst dafür dass du eben nicht angegriffen wirst von der anderen Person?

00:11:19: Das zeigt sich im Alltag zum Beispiel dadurch Dass die eigenen Bedürfnisse untergeordnet werden.

00:11:25: Also das ist eher bei Menschen der Fall die sich schlecht abgrenzen können schlecht Nein sagen können und eher die Tendenz haben, ja sie wollen gefallen.

00:11:35: Sie wollen es allen recht machen.

00:11:37: Da sind wir eben genau wieder beim People Pleaser Und in einer sehr ausgeprägten Form kann man damit auch in Abhängigkeitsbeziehungen landen.

00:11:48: Ich hatte mal eine Kundin, eine Teamleiterin.

00:11:51: Die ist ein recht gutes Beispiel dafür.

00:11:53: Also die war zwar im Unternehmen bekannt als die mit der man immer gut kann und diese angenehm war im Umgang.

00:12:01: aber aus ihrer Perspektive hat sie das eben auch so beschrieben dass sie zum Beispiel wenn sie in einen Raum kommt relativ schlecht einordnen kann, was eigentlich ihre eigene Meinung ist.

00:12:13: Also sie hatte das Gefühl Sie scammed wirklich die Personen im Raum ab und sie hatte wirklich die Fähigkeit auch hier mit sehr feinen Antennen wahrzunehmen wie sind die anderen gerade drauf?

00:12:25: Und wie sind sie vielleicht zu ihr eingestellt?

00:12:28: So und damit hatte sie ganz gutes Gefühl Wie sind die andern drauf?

00:12:33: Was wollen die vielleicht hören?

00:12:34: und hat sich aber damit eben auch immer angepasst.

00:12:38: So, da behaupte ich eben das ist kein Charakterzug sondern es ist im Endeffekt eine Schutzstrategie die halt in ihrem Leben irgendwann mal sinnvoll war aber diese natürlich im Alltag extrem viel Energie kostet und auch dann erklärt warum sie ihre Arbeitsumfeld mit ihrer Position einfach dauerhaft als stressig empfunden hat.

00:13:04: Ja, und das ist auch nochmal ein wichtiger Punkt an der Stelle.

00:13:06: Also das möchte ich dir auch in der Episode mitgeben.

00:13:10: also keiner von diesen vier Zuständen is irgendwie ein Fehler.

00:13:15: Es sind sinnvolle Programme die in uns einfach genetisch angelegt sind Mit denen wir uns einfach durch Stresssituationen gut durch navigieren sollen.

00:13:26: Und Die Frage ist im Endeffekt ja nur ob das jetzt heute noch zu deinem Leben oder zur der Situation passt und ob dir diese Muster heute überhaupt noch dienen.

00:13:40: Und damit kommen wir zurück zur eigentlichen Kernfrage.

00:13:44: also ich mache es mal kurz und unbequem, ein disreguliertes Nervensystem ist keine Diagnose die man stellen kann ja, die du irgendwie in einem Diagnosen Handbuch findest und die lässt sich auch nicht so einfach messen wie jetzt vielleicht einen Blutzucker wert.

00:14:02: Also natürlich wird viel mit HRV Messungen gemacht, teilweise mit ein bisschen fragwürdigen Rückschlüssen.

00:14:08: Es ist auch nicht so einfach die Werte zu interpretieren und es ist auch mit einzelnen Messwerten sehr schwer.

00:14:14: da muss man schon wirklich eine ganze Weile messen aber es wird eben oft so dargestellt ja dass man das jetzt einfach so messen kann und dann hast du ein dysreguliertes Nervensystem.

00:14:24: also für mich ist es eher so einen Sammelbegriff für diese vier Zustände die ich gerade beschrieben habe.

00:14:30: Aber es ist halt im Moment sehr populär, weil es wahrscheinlich auch einfach Gefühle beschreibt die viele Menschen aktuell einfach so bei sich kennen.

00:14:41: Ja und ich glaube deshalb ist das Thema irgendwie auch gerade zu erfolgreich und wird eben in sozialen Medien eben auch so gut ausgespielt.

00:14:49: ja suggeriert ihr auch irgendwie ja du bist nicht verrückt du du bist mich schwach.

00:14:54: ja es ist nur einfach gesagt dein Körper macht da eben was.

00:14:59: Das ist ja auch grundsätzlich erstmal so richtig.

00:15:02: Das Problem dahinter ist halt eher die Verpackung, also das Wort dysreguliert klingt eben so nach einem Defekt.

00:15:09: irgendwas wäre jetzt kaputt und man müsste diesen Defekt irgendwie reparieren.

00:15:16: So tatsächlich funktioniert unser Körper so nicht.

00:15:20: Da verweise ich immer wieder gerne auf Robert Zepolsky dem Stressforscher aus Danford.

00:15:27: Der hat da eben immer so diese klassischen Bilder.

00:15:30: Wir sind irgendwo in der Savanne, wir stellen uns ein Zebra vor und das wird jetzt plötzlich von einem Löwen gejagt.

00:15:37: Es läuft um sein Leben volle Stressreaktionen.

00:15:41: So irgendwie geht die Situation aber für das Zebra gut aus und zwanzig Minuten später steht es einfach wieder da und frisst Gras auf der Wiese.

00:15:53: Das heißt was hier passiert ist, ist einfach das Nervensystem Von dem Zebra hat einmal hochgefahren, ja maximale Leistungsfähigkeit und kann danach aber innerhalb sehr kurzer Zeit auch wieder komplett runterfahren.

00:16:08: Und das ist völlig normal!

00:16:11: Was des Zebra jetzt im Gegensatz zum Menschen eben nicht macht, ist sich dann abends hinzulegen und nochmal drüber nachzudenken wie der Löwe vielleicht geguckt hat oder sich zu fragen ob er morgen wieder um die Ecke kommt oder vielleicht sogar, ob das Zebra in dem Moment eine gute Figur gemacht hat wo es weggelaufen ist.

00:16:32: Das sind also eher menschliche Eigenschaften die uns dauerhaft in so einer Stressreaktion hängen lassen anstatt wie jetzt in diesem Beispiel mit den Zebras einmal krass hochfahren komplett wieder runter fahren und alles ist in Ordnung.

00:16:50: Wenn du jetzt dauerhaft gestresst bist dann passiert eben genau das.

00:16:54: Also das System Das funktioniert jetzt nicht schlechter als das vom Zebra, sondern ... das System bekommt eben nur immer wieder das Signal in die Stressreaktion reinzugehen.

00:17:06: Also bei uns ist halt der Stressor nicht dieser Löwe nicht wirklich so eine akute Lebensbedrohung, sondern eben die Gedanken, die ablaufen.

00:17:17: also sei es eine offene Rechnung ein Konflikt bei der Arbeit deiner eigenen Erwartungen an dich selbst ja egal was es ist du hast Wahrscheinlich, wenn du dauerhaft Stress spürst eben Gedanken die das immer wieder befeuern und damit hängst du einfach in dieser Stressreaktion viel zu lange fest.

00:17:38: Ja also insofern würde ich die Frage so beantworten.

00:17:42: Also ja es gibt einen Zustand indem des Gaspedal dauerhaft gedrückt bleibt.

00:17:48: also dass ist real.

00:17:50: das spürste Und das hat auf jeden Fall auch Folgen, dass der Schlaf sich verändert.

00:17:55: Die Verdauung, Immunsysteme – was auch immer!

00:17:58: Ja und das ist jetzt keine Fehlfunktion.

00:18:01: Das ist einfach eine völlig normale korrekte Anpassung deines autonome Nervensystems an eben deine Umgebungen beziehungsweise das, was du daraus machst wie du deine Umgeben wahrnimmst und was du in deiner Alltagssituation reininterpretierst.

00:18:22: Das heißt für mich, das Nervensystem ist jetzt nicht dysreguliert sondern es ist sogar ziemlich gut reguliert nur eben auf die falschen Signale und falsche innere Überzeugung, die diese Stressreaktionen aufrecht halten.

00:18:38: Da lohnt sich's nochmal die Aspekte anzuschauen warum dein System überhaupt dauerhaft hier im Stress festhängt.

00:18:48: Oder anders gesagt, warum verliert eben das autonome Nervensystem genau diese Balance hin und her zu schalten zwischen Gas- und Bremse?

00:18:57: Und es so sinnvoll zu dosieren damit du gut durch den Alltag kommst.

00:19:04: Meine Erfahrungen nach sind es im Wesentlichen vier Aspekte die meist irgendwie in der Kombination miteinander auftreten.

00:19:14: Der erste Aspekt ist eben, dass der Dauerstress keinen Abschluss mehr findet.

00:19:19: Also nicht wie beim Zebra-Angriff vorbei – ich kann wieder grasen!

00:19:25: Sondern vielleicht ein Konflikt, der sich eben nicht klärt?

00:19:29: Ein Projekt was sich in die Länge zieht, das immer wieder Projektmeetings da sind, Verantwortlichkeiten… einfach Dauersituation wo der Körper die ganze Zeit auf Hochtouren fährt.

00:19:42: keinen echten Moment, wo das System mal wirklich sagt okay es ist alles vorbei ich kann komplett loslassen und hier lauert keine Gefahr.

00:19:52: Der zweite Aspekt der da sehr oft mit rein spielt sind eben alte Trigger.

00:19:57: also da sind wir wieder genau bei dem was sich mal in der Episode siebenundzwanzig über die verschiedenen Stresswege erklärt hatte.

00:20:06: Da ist es eben so dass eine Situation von heute einer Situation aus der Vergangenheit ähnelt und der Körper aber nicht eben auf, ich sag jetzt mal das Meeting reagiert sondern auf die Erinnerung dieses ganze Wachruft.

00:20:25: Und diese Assoziation läuft komplett unbewusst ab.

00:20:28: Das ist den wenigsten klar was da gerade getriggert wird, aber den meisten ist irgendwie bewusst dass diese Reaktion die in dem Moment entsteht tatsächlich sehr übertrieben So.

00:20:42: der dritte Aspekt, den ich immer wieder beobachte ist wirklich auch so eine fehlende echte Erholung.

00:20:48: Also das heißt nicht mal einen Wochenende auf der Couch mit dem Smartphone in der Hand zu verbringen Sondern ich meine wirklich Phasen wo das ganze System Mal runterkommt Das Gefühl hat da ist jetzt so ne Sicherheit.

00:21:01: Und wenn das eben fehlt dann stellt sich dieses Grundniveau nach oben und es passiert eben ganz schleichend dass eben wir in einem immer höheren Erregungslevel feststecken.

00:21:15: Und das merkt tatsächlich auch die meisten nicht, weil es halt immer wieder der neue Normalzustand wird und weil es sich über die Zeit eben so langsam verschiebt.

00:21:26: Der vierte Aspekt sind innere Überzeugungen, die sich auch wieder aus frühen wahrscheinlich belastenden Erfahrungen ergeben haben.

00:21:37: Also wenn du zum Beispiel in jungen Jahren oft erlebt hast, dass du nicht sicher warst.

00:21:42: Dass du irgendwie angefeindet wurdest dann hast du daraus Muster kreiert gewisse Anpassungen die dich zu der Zeit geschützt haben.

00:21:52: aber es ist immer noch ein Standardprogramm.

00:21:55: also daraus ist ein Standard Programm geworden und damit laufen eben immer noch alte Gedankenmuster ab alte Interpretationen, die sich so durch den Alltag ziehen und damit unsere Wahrnehmung der Realität tatsächlich auch wirklich drastisch verzerren.

00:22:14: Also da habe ich auch nochmal ein Kundenbeispiel.

00:22:17: das war auch ein Teamleiter Mittevierzig Und er kam eben tatsächlich auch mit dieser Vorstellung Er braucht jetzt eine Methode gegen des Herzrasen in Meetings.

00:22:29: also Er hatte so die Erwartung, wir finden jetzt so die eine Übung, die ihm noch fehlt.

00:22:35: Also sei es jetzt eine Atemübungen oder eine Vargus-Nerv Stimulation... er hatte die Vorstellung, wir können das eben mit so einer Übung in diesen Situationen runter regulieren.

00:22:47: So was wir aber tatsächlich gemacht haben war mal anzuschauen, was bei ihm eigentlich innerlich in diesen Meetings abläuft.

00:22:55: Und seine Situation war einfach die, dass er eben über Jahre super viel Verantwortung im Team getragen hat.

00:23:03: Aber ihm hat halt komplett die Entscheidungsbefugnis gefehlt.

00:23:06: also es waren andere wichtige Abteilungen involviert aber er konnte eigentlich gar nichts so entscheiden das er wirklich eine Veränderung in dieser Arbeitsumgebung erzeugen könnte.

00:23:19: So und da hätten wir jetzt noch so viele Atemübungen machen können.

00:23:23: Das hätte nichts grundsätzlich daran verändert, dass sein Körper einfach wirklich immer wieder zu Wochenbeginn in diesen Alarmzustand reingegangen ist.

00:23:33: In den ganzen Meetings durch die er musste.

00:23:37: So lange eben seinen Anspruch da ist, dass das doch schafft hier das Unmögliche möglich zu machen.

00:23:43: Er hatte halt eine gute Motivation und wollte es einfach gutmachen, wollte allen gerecht werden.

00:23:51: Damit hat er sich einfach selber so unter Druck gesetzt, dass er nicht auf den grünen Zweig gekommen wäre da irgendwie am Nervensystem gegen zu regulieren.

00:24:02: Also der erste Schritt ist hier immer zu erkennen wo findest du dich wieder?

00:24:08: Welche Aspekte treffen auf dich zu?

00:24:11: das ist auf jeden Fall schon mal die halbe Miete weil halt doch die meisten irgendwie ein Fehler bei sich selbst suchen, also sei es eine zu geringe Belastbarkeit Resilienz statt zu erkennen was eigentlich im Endeffekt darunter liegt und überhaupt das Nervensystem dauerhaft in eine Stressreaktion drängt.

00:24:34: So ich glaube das war schon mal eine ganze Menge Input für den ersten Teil dieser Episode.

00:24:41: Also nehmt ihr da gerne einfach nochmal so diese zwei Kernerkenntnisse mit, also noch mal zu verstehen.

00:24:47: Dein Nervensystem hat Gas und Bremse und im Stress resultieren daraus eben vier Zustände.

00:24:55: Das sind diese Vier F das Fight Flight Freeze und Form.

00:25:00: Und es ist jetzt kein Defekt wenn du den Eindruck hast Du hängst in einem dieser Vier f's dauerhaft fest sondern Es ist einfach nur die natürliche Reaktion auf diese inneren Muster und Interpretationen, die eben dem System permanent Gefahr melden.

00:25:21: Und da kannst du jetzt die nächsten Tage bis zum zweiten Teil wirklich auch nochmal dich selbst beobachten.

00:25:27: also erkennst du dich irgendwo wieder in diesen vier Zuständen merkst du dass dahin und wieder bestimmte Aspekte davon rauskommen.

00:25:36: also bist du vielleicht eher So der gereizte Typ, also Fight oder eher Planer und Sorgenmacher.

00:25:43: Also eher ausweichend, eher Flucht.

00:25:46: Gehst du vielleicht in die Starre?

00:25:48: Oder hast Du da Tendenzen zum People-Pleasing?

00:25:52: Also kannst Du Dir auch gerne mal notieren für die nächsten Tage!

00:25:55: Das ist auf jeden Fall schonmal eine wichtige Information, die dir dann auch im zweiten Teil weiterhilft.

00:26:04: Im nächsten Teil geht es dann wirklich nochmal im Kern um die Frage, in wie weit eben jetzt bestimmte Übungen zur Nervensystemregulation unterstützen können.

00:26:14: Und ich zeig dir da auch tatsächlich sechs Übung mit denen es dir leichter fallen wird wirklich so akutisch stressbaren zu verlassen.

00:26:23: also mit den übungen arbeite ich eben auch mit meinen Kunden und ich zeige dir auch nochmal warum.

00:26:30: so die bekannteste Erklärung dahinter hinter diesen Übung Also diese Polyvagal Theorie gerade tatsächlich ziemlich unter Beschuss steht und wie wir damit umgehen können, dass eigentlich Forscher mittlerweile sagen okay die Theorie ist ganz nett aber wir können es anatomisch gar nicht so sehen.

00:26:52: So warum?

00:26:52: Aber trotzdem weiter viele mit dem Modell arbeiten und warum sie das machen erkläre ich dir dann im nächsten Teil dieser Episode.

00:27:01: Lassen mir da auch gerne in der Zwischenzeit nochmal eine ehrliche Bewertung von meinem Podcast da.

00:27:06: Kommentier auch gerne, wenn du nochmal bestimmte Gedanken zur Episode hast!

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